Hannover 96 heißt „die Roten“, weil seine Fußballer traditionell in roten Trikots spielen. Die offiziellen Vereinsfarben sind trotzdem Schwarz, Weiß und Grün. Der Spitzname beschreibt also die Spielkleidung, nicht die Farben aus der Satzung. Rote Trikots lassen sich laut Vereinsarchiv spätestens 1905 nachweisen. Warum man sich ursprünglich für Rot entschied, ist dagegen nicht zweifelsfrei geklärt.

Drei Vereinsfarben – und eine vierte auf dem Platz

In der Satzung von Hannover 96 stehen Schwarz, Weiß und Grün als Vereinsfarben. Rot gehört nicht dazu. Wer die Mannschaft „die Roten“ nennt und gleichzeitig eine schwarz-weiß-grüne Fahne trägt, bringt deshalb zwei verschiedene Traditionen zusammen: die Farben des Vereins und die seiner Fußballtrikots.

Vereinsarchivar Sebastian Kurbach ging auch der Herkunft von Schwarz-Weiß-Grün nach. Wie Hannover 96 im Rückblick auf seinen Archivabend berichtet, wies er die Bedeutung anhand von Archivmaterial nach: Schwarz und Weiß stehen für das alte Preußen, Grün für den Rasen. Die drei Vereinsfarben haben damit ihre eigene Erklärung, unabhängig von den roten Fußballtrikots.

Der scheinbare Widerspruch entsteht erst, wenn Vereinsfarben und Trikotfarben als dasselbe verstanden werden. Bei Hannover hat sich Rot als Spielfarbe eine eigene Geschichte geschaffen. Welche Farbe gerade auf dem Rasen zu sehen ist, ändert nichts an der schwarz-weiß-grünen Vereinsidentität.

Rote Trikots gab es spätestens 1905

Zur Gründung 1896 gehört nicht automatisch schon das vertraute rote Trikot. Hannover 96 erklärte in der Ankündigung eines Archivabends 2016, dass die Spielkleidung ganz am Anfang noch nicht rot gewesen sei. Vereinsarchivar Sebastian Kurbach widmete sich dort der Geschichte der Farben und Symbole.

Einen greifbaren frühen Zeitpunkt nennt der Verein bei der Vorstellung seines Sondertrikots zum 130. Jubiläum 2026: Archivdokumente belegen rote Spielkleidung mindestens für das Jahr 1905. Das bedeutet nicht, dass die Farbe genau in diesem Jahr eingeführt wurde. Sicher ist damit vielmehr: Spätestens damals war Rot bereits auf dem Platz angekommen.

Aus den roten Trikots erklärt sich der Beiname. Ein bestimmter Tag, an dem Hannover erstmals „die Roten“ genannt wurde, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Trikotfarbe und Spitzname hängen zusammen; ihr Beginn ist nicht mit derselben Genauigkeit überliefert.

Warum ausgerechnet Rot? Zwei überlieferte Erklärungen

Die Farbe selbst ist früh belegt, der Anlass ihrer Wahl bleibt offen. Der Vereinsrückblick über Kurbachs Archivabend hält ausdrücklich fest, dass der Grund nicht zweifelsfrei geklärt sei. Erzählt werden dennoch verschiedene Geschichten. Zwei davon stellte der 1. FC Kaiserslautern in einem Gegnerporträt von 2024 vor.

Die erste verbindet die rote Spielkleidung mit einem Grundstücksgeschenk nach Hannovers Meisterschaft 1938. Das Geschenk sei mit der Bitte verbunden gewesen, die Stadtfarben Rot und Weiß in den Trikots zu zeigen. Als Erklärung für den allerersten Griff zum roten Trikot passt das zeitlich jedoch nicht: Der Nachweis von 1905 liegt mehr als drei Jahrzehnte früher. Die Geschichte kann deshalb den Beginn der roten Spielkleidung nicht erklären.

Die zweite Version klingt nach einer praktischen Lösung: Hannovers Vereine sollen sich auf unterschiedliche Trikotfarben verständigt haben, damit sich die Mannschaften besser unterscheiden ließen. Rot wäre demnach das Ergebnis einer örtlichen Absprache gewesen. Der FCK führt auch diese Variante als ungewisse Erklärung an. Ein gesicherter Beschluss, der sie zum bewiesenen Ursprung macht, ist damit nicht verbunden.

Beide Erzählungen geben der Farbfrage eine anschauliche Antwort. Verlässlich festhalten lässt sich aber nur die frühe rote Spielkleidung – nicht, welche dieser Geschichten die damalige Entscheidung tatsächlich beschreibt.

„Die Roten“ können auch in Grün spielen

Der Beiname ist keine Vorschrift, bei jedem Spiel Rot zu tragen. Ein Beispiel liefert ein auf der Vereinsseite veröffentlichter Rückblick: In der Saison 1953/54 spielte Hannover demnach in Weinrot, im Meisterschaftsfinale gegen die rot gekleideten Kaiserslauterer aber in Grün. Die Mannschaft blieb trotzdem Hannover 96 – und die Verbindung zum roten Trikot bestand weiter.

Wie eng Rot zur Fußballidentität gehört, zeigen auch Leserreaktionen auf der Vereinsseite. Dort beschrieben Fans die rote Spielkleidung als wichtiges Erkennungsmerkmal. Das sind einzelne Stimmen, keine Abstimmung aller Anhänger; sie machen aber verständlich, weshalb die Trikotfarbe emotional mehr bedeutet als eine beliebige Ausrüstungsentscheidung.

Das Jubiläumstrikot von 2026 griff die schlichte rote Spielkleidung der frühen Jahre wieder auf. So stehen heute beide Farbtraditionen nebeneinander: Schwarz-Weiß-Grün bezeichnet den Verein, Rot prägt seine Fußballmannschaft und ihren Spitznamen. Aktuelle Spiele und Informationen findest du auf unserer Vereinsseite zu Hannover 96.

Bildhinweis: Das Hauptbild ist eine KI-generierte Symbolillustration, kein historisches Trikotfoto.