Die größten Gegensätze der Bundesliga-Saison 2025/26 lagen in Wolfsburg und Freiburg: Der VfL war auswärts Neunter, zu Hause aber Letzter. Freiburg stand in der Heimtabelle sechs Plätze besser als in der Auswärtstabelle. Unter den sechs Letzten der Gesamttabelle holte der HSV die meisten Heimpunkte – allerdings ohne sich daheim zum heimlichen Spitzenteam zu verwandeln.

Beim Wort Heimvorteil ist das Bild schnell da: eine volle Kurve, ein lautes Stadion, Dortmund. Aber besonders interessant wird es ein paar Etagen tiefer. Führt dort ein Verein ein Doppelleben – auswärts im Keller, zu Hause kaum zu knacken? Wir zerlegen die abgeschlossene Saison 2025/26 in zwei Tabellen und schauen anschließend genauer hin, gegen wen Hamburg seine Heimpunkte sammelte.

Grundlage sind alle 306 Ligaspiele, also für jeden der 18 Vereine genau 17 Heim- und 17 Auswärtsspiele. Das ist ein Saisonrückblick, keine laufende Tabelle der Spielzeit 2026/27.

Die Heimtabelle: Freiburg rückt vor, Wolfsburg fällt zurück

So sähe die Reihenfolge aus, wenn nur die Heimspiele zählten. Bayern und Dortmund führen auch diese Tabelle an. Freiburg steht auf Rang sechs, während der HSV als bester Klub der späteren Kellergruppe Zehnter wird.

RangVereinSp.S/U/NToreDiff.Punkte
1FC Bayern München1714/2/168:19+4944
2Borussia Dortmund1713/2/240:16+2441
3VfB Stuttgart1712/3/230:16+1439
4RB Leipzig1712/2/340:20+2038
5TSG Hoffenheim1710/2/535:21+1432
6SC Freiburg179/5/333:22+1132
7Bayer 04 Leverkusen179/4/438:19+1931
8FC Augsburg177/5/525:28-326
9Eintracht Frankfurt177/4/629:27+225
10Hamburger SV176/6/525:22+324
11Borussia Mönchengladbach176/6/524:24024
121. FC Union Berlin175/7/526:26022
131. FC Köln175/4/830:30019
14SV Werder Bremen175/4/819:31-1219
151. FSV Mainz 05174/5/821:25-417
161. FC Heidenheim 1846174/5/823:37-1417
17FC St. Pauli174/5/817:31-1417
18VfL Wolfsburg172/4/1121:32-1110
Heimtabelle Bundesliga 2025/26. Sp. = Spiele; S/U/N = Siege, Unentschieden, Niederlagen. Eigene Berechnung aus OpenLigaDB, mit dem DFB-Spielplan abgeglichen.

Die Auswärtstabelle: Mainz und Wolfsburg zeigen ein anderes Gesicht

Auswärts verschiebt sich das Bild vor allem im Mittelfeld. Mainz landet auf Platz sieben statt auf Heimrang 15. Wolfsburg gewinnt gegenüber seiner Heimposition sogar neun Plätze. Ein besserer Rang heißt dabei nicht automatisch eine starke Saison: Die 19 Wolfsburger Auswärtspunkte reichen in dieser Teilrangliste bereits für Platz neun.

RangVereinSp.S/U/NToreDiff.Punkte
1FC Bayern München1714/3/054:17+3745
2Borussia Dortmund179/5/330:18+1232
3TSG Hoffenheim178/5/430:31-129
4Bayer 04 Leverkusen178/4/530:28+228
5RB Leipzig178/3/626:27-127
6VfB Stuttgart176/5/641:33+823
71. FSV Mainz 05176/5/623:28-523
8Eintracht Frankfurt174/7/632:38-619
9VfL Wolfsburg175/4/824:37-1319
10FC Augsburg175/2/1020:33-1317
111. FC Union Berlin175/2/1018:32-1417
12SC Freiburg174/3/1018:35-1715
13Borussia Mönchengladbach173/5/918:29-1114
14Hamburger SV173/5/915:32-1714
15SV Werder Bremen173/4/1018:29-1113
161. FC Köln172/7/819:33-1413
171. FC Heidenheim 1846172/3/1218:35-179
18FC St. Pauli172/3/1212:29-179
Auswärtstabelle Bundesliga 2025/26. Alle Vereine bestritten 17 Auswärtsspiele. Eigene Berechnung aus OpenLigaDB, mit dem DFB-Spielplan abgeglichen.

Wer macht den größten Sprung? Es kommt auf die Richtung an

Wolfsburg hatte mit neun Plätzen den größten Abstand zwischen beiden Tabellen. Nur verlief das Doppelleben andersherum als erhofft: 19 Punkte auswärts, zehn zu Hause. Die Heimspiele waren hier der deutlich schwächere Teil der Saison.

Freiburg gewann am meisten Plätze, wenn wir von der Auswärts- zur Heimtabelle wechseln: von zwölf auf sechs. Hinter diesem Sprung stehen 32 Heimpunkte und 15 Auswärtspunkte. Das sind 17 Punkte Unterschied – Rangabstand und Punktabstand erzählen also zwei verschiedene Dinge.

Und Dortmund? Der BVB holte daheim 41 und auswärts 32 Punkte, wurde aber in beiden Tabellen Zweiter. Das passt zur Vorstellung eines heimstarken Vereins, der auch auf Reisen viel mitnimmt. Ein großer Heimvorteil in Punkten muss sich nicht in einem großen Rangsprung zeigen.

Heim- und Auswärtspunkte aller 18 Bundesligisten 2025/26. Freiburg 32 zu 15, Wolfsburg 10 zu 19 und Dortmund 41 zu 32; sämtliche Einzelwerte stehen in den beiden Tabellen.
Jeweils 17 Spiele, dieselben Gegner: Die Grafik zeigt Punktabstände, nicht Rangsprünge. Reihenfolge nach der Gesamttabelle 2025/26. Quellen: OpenLigaDB und DFB-Datencenter; eigene Darstellung.
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Der HSV war der unangenehmste Gastgeber im unteren Drittel

Für den Blick in den Tabellenkeller nehmen wir die Abschlussplätze 13 bis 18: Hamburg, Köln, Bremen, Wolfsburg, Heidenheim und St. Pauli. Das ist eine rückblickende Vergleichsgruppe. Sie bedeutet nicht, dass alle sechs bis zum letzten Spieltag akut vom Abstieg bedroht waren.

Nach Heimpunkten lag der HSV mit 24 Punkten aus 17 Spielen vorn. Das entspricht 1,41 Punkten pro Heimspiel; auswärts waren es 14 Punkte beziehungsweise 0,82. Noch näher an unserer Frage nach dem unbequemen Gastgeber liegt die Zahl der Niederlagen: Nur fünf Gäste gewannen in Hamburg. In zwölf der 17 Heimspiele nahm der Gegner höchstens einen Punkt mit. Jeder andere Verein dieser Kellergruppe verlor mindestens achtmal zu Hause.

Zur ganzen Geschichte gehört aber auch: Hamburg war zu Hause Zehnter, nicht Vierter. Keiner der sechs Kellerklubs spielte sich in die Top vier der Heimtabelle. Den Abstiegskandidaten mit einer Heimtabelle auf Champions-League-Höhe liefert diese Saison also nicht. Hamburgs Stärke war bescheidener, aber für einen Gast mit Siegpflicht trotzdem unangenehm.

Pflichtpunkte oder Ärger für die Großen? Hamburg konnte beides – und lebte vom Mittelfeld

Der HSV nahm Bayern beim 2:2 und Dortmund beim 1:1 Punkte ab und besiegte Stuttgart mit 2:1. Für einen Gast mit Siegpflicht wären diese Ergebnisse zu wenig gewesen. Ein dauerhafter Favoritenschreck war Hamburg damit noch nicht: Gegen Leipzig, Leverkusen und Hoffenheim gingen die Heimspiele verloren. Insgesamt standen gegen die späteren Top sechs fünf Punkte aus sechs Partien.

Gegen die fünf übrigen Vereine des unteren Drittels kamen sieben Punkte zusammen. Die Hälfte aller Hamburger Heimpunkte stammte dagegen aus den sechs Begegnungen mit den Abschlussplätzen sieben bis zwölf. Dort blieb der HSV zu Hause ungeschlagen. Nicht allein die Duelle mit den direkten Konkurrenten trugen seine Heimbilanz.

HSV-Heimpunkte pro Spiel 2025/26: 0,83 gegen die Top sechs, 2,00 gegen das Mittelfeld und 1,40 gegen die übrigen fünf Kellerklubs. Gruppen nach Abschlussplatzierung.
Die Gruppen sind unterschiedlich groß: sechs Spitzen- und sechs Mittelfeldgegner, aber nur fünf andere Kellerklubs. Deshalb vergleichen die Balken Punkte pro Spiel. Quellen: OpenLigaDB und DFB-Datencenter; eigene Darstellung.
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GegnergruppeSpielePunktePkt./SpielAlle HSV-Heimergebnisse
Top sechs · Plätze 1–6650,83Dortmund 1:1; Stuttgart 2:1; Bayern 2:2; Leipzig 1:2; Leverkusen 0:1; Hoffenheim 1:2
Mittelfeld · Plätze 7–126122,00Mainz 4:0; Frankfurt 1:1; Mönchengladbach 0:0; Union Berlin 3:2; Augsburg 1:1; Freiburg 3:2
Kellergruppe · Plätze 13–18571,40St. Pauli 0:2; Heidenheim 2:1; Wolfsburg 0:1; Bremen 3:2; Köln 1:1
Ergebnisse immer aus HSV-Sicht. Gegnergruppen nach der Abschlusstabelle 2025/26, nicht nach ihrer Platzierung am jeweiligen Spieltag. Quelle: DFB-Datencenter und eigene Auswertung.

Wo hätten wir am letzten Spieltag am wenigsten gern gewinnen müssen?

Unter den sechs Letzten dieser Saison wäre unsere rückblickende Wahl der HSV. Er holte in der Gruppe die meisten Heimpunkte und ließ zugleich die wenigsten Auswärtssiege zu. Für die Frage „Wo muss mein Team unbedingt drei Punkte holen?“ ist gerade das zweite Argument wichtig: Ein Hamburger Remis hätte dem Gast schließlich schon den Nachmittag verdorben.

Das ist ein Gedankenexperiment mit der vollständigen Saisonbilanz einschließlich des 34. Spieltags. Wir tun damit nicht so, als hätten diese Ergebnisse vorher festgestanden, und bewerten keine konkrete damalige Ansetzung. Für ein künftiges Spiel müssten wir Gegner, Form und verfügbare Mannschaft neu betrachten.

Der Blick auf die Kurve bleibt ein guter Anlass, genauer hinzusehen. Ob Fans, Spielweise oder andere Umstände die Punkteverteilung verursacht haben, lässt sich aus Ergebnissen allein jedoch nicht herauslesen. Was unser Vergleich zeigt: Eine Gesamtplatzierung verrät längst nicht alles darüber, wie unangenehm ein Auswärtsspiel werden kann. Mehr zur Einordnung gibt es in unserem Artikel Heimvorteil: Was die Zahlen erzählen.

So haben wir gerechnet

Ausgewertet wurden die 306 regulären Ligaspiele der Bundesliga 2025/26 nach Saisonabschluss, ohne Relegation. Datenabruf und Abgleich: 5. November 2026. Die Tabellen sind eine eigene Berechnung: drei Punkte je Sieg, ein Punkt je Unentschieden. Sortiert wird nach Punkten, Tordifferenz und erzielten Toren. Danach bleiben in diesen beiden Tabellen keine Gleichstände. Alle Vereine spielten gegen dieselben 17 Gegner einmal zu Hause und einmal auswärts.

„Kellergruppe“ meint hier die sechs letzten Plätze der Abschlusstabelle; „Top sechs“ entsprechend die Plätze eins bis sechs. Die Auswahl des HSV erfolgt nach den meisten Heimpunkten pro Spiel innerhalb der Kellergruppe. Die Gruppen sind rückblickend gebildet und keine damalige Abstiegsprognose. Wie viele Punkte in den vergangenen Jahren tatsächlich zur Rettung reichten, zeigt unser Vergleich zur 40-Punkte-Marke. Den aktuellen Wettbewerb findest du auf unserer Bundesliga-Übersicht.

Quellen

DFB-Datencenter: Bundesliga-Spielplan 2025/26 · DFB-Datencenter: HSV-Spielplan 2025/26 · OpenLigaDB: Ergebnisdatensatz Bundesliga 2025/26. Alle 306 ausgewerteten Endstände wurden zwischen DFB und OpenLigaDB abgeglichen.

Bildhinweis: Das Titelbild ist eine KI-generierte Symbolillustration, keine Aufnahme eines bestimmten Vereins oder Spiels. Die beiden Datengrafiken beruhen auf der beschriebenen Auswertung.